Inselhüpfen in der Dänischen Südsee

Eigentlich hatte ja alles ganz verkorkst angefangen: Statt am Sonntag konnten wir erst am Montag starten, das Wetter war auch nicht gerade schön und dann kamen wir auch noch eine halbe Stunde später als geplant und mussten die ganze Halle ausräumen, weil die Dimona ganz hinten stand… Damit verpassten wir unser Wetterfenster und mussten erst einmal mehrere ergiebige Regengüsse über uns ergehen lassen, bevor wir überhaupt in die Luft kamen.

Mit zweistündiger Verspätung ging es also los Richtung Norden. Unser Weg sollte uns über Hildesheim mit Besuch bei unserem Vereinskameraden Ralf Z. weiter nach Husum führen. Dänemark hätten wir an diesem Tag ohnehin nicht mehr erreicht.
Das Wetter war so lala. Die Flugsicht war ausreichend, aber die niedrige Basis zwang uns hin und wieder zum Fliegen in „Ameisenkniehöhe“. Zudem war die Luftraumbeobachtung sehr anstrengend. Wir kamen trotzdem gut voran und erreichten in der Mittagszeit die Kasseler Berge. Hier machte die teilweise zurückgehende Sicht den Flug immer schwieriger. Kurzentschlossen landeten wir also in Kassel, um Mittag zu essen, Wetter zu checken – und, falls das Wetter sich nicht bessern sollte, unser touristisches Programm bereits hier zu beginnen. Wann kommt man schon mal nach Kassel?
Die Mittagspause tat uns gut, das Wetter sah 2 Stunden später deutlich besser aus und bis Hildesheim waren es nur noch 40 Minuten. Also wagten wir den Weiterflug über Northeim und Bad Gandersheim. Zwischendurch stand ein umfliegbarer Schauer, doch kurz vor Hildesheim hatte der Wettergott ein Einsehen und ließ uns im Trockenen landen. Ein Anruf bei Ralf und bis wir uns aus dem Flieger geschält und getankt hatten, stand er auch schon zur Abholung bereit.
Nach einem gemütlichen Kaffee mit ausführlichem Wettercheck stand fest: Wir mussten unsere Flugroute verlegen und Hamburg östlich umfliegen, um bessere Wetterbedingungen anzutreffen. Damit war das Tagesziel Husum hinfällig und wir visierten nun Flensburg als heutige “Etappenstadt” an.
Um 17:00h machten wir uns wieder auf den Weg. Alle Sperrgebiete um Fassberg waren inaktiv, so konnten wir “Luftlinie” fliegen. Genaue Koppelnavigation macht Spaß! Nachdem wir die CTA Hamburg östlich passiert hatten, besserte sich die Sicht immer mehr. Das Wetter wurde zum Abend hin richtig schön, auch der Fotoapparat kam jetzt öfter zum Einsatz. Links glänzte die Nordsee in der Abendsonne, von rechts grüßte die Ostsee – nun war das Navigieren ein Kinderspiel.
Um kurz nach 19:00h landeten wir in Flensburg – was als Alternate gedacht war, erwies sich als Volltreffer. Wir wurden mit großer Herzlichkeit empfangen und vom diensthabenden Türmer höchstpersönlich umsorgt. Wir bekamen ein preisgünstiges schönes Zimmer im Clubhaus am Flugplatz, außerdem ein Heft mit ausgearbeiteten Flugrouten zu den dänischen Inseln und umfangreichen Detailinformationen als Bettlektüre. Er riet uns, Flensburg als Standquartier für unsere Touren zu nehmen und jeden Abend zurück zu kehren, da Dänemark ausgesprochen teuer sei. Nach Dienstschluss nahm er uns mit in die Stadt zu Flensburgs bestem Fischrestaurant. Nicht ohne uns zu versichern, wir könnten am anderen Morgen noch einmal mit ihm fahren, dann würde er uns zeigen, wo wir frühstücken könnten – wir waren überwältigt!

Dienstag, 05.05.12

Die Sonne lachte wieder durch große Wolkenlücken. Pünktlich um kurz vor acht standen wir bei “unserem” Türmer, der uns mit zum nahegelegenen Einkaufszentrum nahm. Dort frühstückten wir, warteten einen Schauer ab und gingen dann zu Fuß zurück zum Flugplatz. Auf dem Plan stand Endelave (EKEL), eine kleine Insel mit 180 Einwohnern nördlich von Fünen gelegen. Dort gab es früher sogar zwei private Landepisten, von denen heute aber nur noch eine in Betrieb ist. http://www.toftairforce.dk/Default_D.htm Leider bekamen wir den Besitzer, Jens Toft, nicht zu Gesicht. Er soll ein fliegerisches Unikum sein.
Der Flug selbst verlief vollkommen problemlos, die Landung auf der frisch gemähten und gut gepflegten Landebahn war ausgesprochen kurz, da der Wind mit knapp 20 Knoten genau auf der Bahn stand. Wegen des Grenzübertritts hatten wir einen Flugplan aufgegeben, den wir nun telefonisch schlossen. Wir parkten die Dimona vor einem Haselnusswäldchen und machten uns mit den Örtlichkeiten vertraut.
Neben der Landebahn steht eine Scheune, deren Tor mit umfangreichen Informationen in verschiedenen Sprachen tapeziert ist. Unter anderem hängt dort ein Behälter, in den man die Landegebühr und ggf. eine freiwillige Leihgebühr für Fahrräder einwerfen sollte. Da wir noch keine Kronen hatten, verschoben wir die Formalitäten auf die Abreise und gingen zunächst in die Scheune. Inmitten des Fundus von ca. 30 (!) rot lackierten Fahrrädern stand – ein Tandem! Das wollten wir doch schon lange mal ausprobieren! Wir schnappten uns eine Luftpumpe und machten uns auf Erkundungsfahrt. Aus Sicherheitsgründen befuhren wir zunächst nur asphaltierte Straßen (aber alle!), bevor wir uns auch auf unbefestigtes Terrain wagten. Tandem fahren ist nämlich gar nicht so einfach!
Und so erradelten wir die Insel, die an diesem Tag in einer Art Dornröschenschlaf zu liegen schien – alles war geschlossen! Vereinzelte Menschen werkten in ihren Vorgärten, zweimal trafen wir die Mähmaschine, die die Straßenränder freilegte, einmal eine Gruppe braunhäutiger, mandeläugiger Inselschönheiten, die uns verwundert nachschauten. Ansonsten nur Natur, Puppenstuben¬häuschen, Wind (natürlich immer von vorn), Sonne, Vogelgezwitscher – herrlich! Gottseidank hatte wenigstens der Dorfkrug geöffnet. Wir waren die einzigen Gäste und wurden mit Eierkuchen und einer Art Bratkartoffelpfanne bewirtet. Wir bezahlten in Euro und erhielten als Wechselgeld dänische Kronen – damit war auch das Valuta-Problem erledigt.
Nach dem Essen war der Hunger gestillt, nicht aber unser Tatendrang. Da wir das Gefühl hatten, alles gesehen zu haben und es zum Baden noch zu kalt war (auch das hatten wir ausprobiert), beschlossen wir, auf die Nachbarinsel Samsö (EKSS) weiter zu fliegen.
Eine dänische G115 war mittlerweile gelandet und parkte neben der Dimona. Weitere Flugbewegungen hatten nicht stattgefunden. Mit großem Bedauern stellten wir das Tandem zurück, entrichteten die Gebühr von 15 EUR für Landung und Fahrrad und machten uns wieder auf den Weg. Der Wind stand unvermindert kräftig auf der Bahn, so dass die Dimona bereits nach wenigen Metern in die Luft hüpfte.
Im Abflug beobachteten wir das Auslaufen der Inselfähre “Endelave” und folgten der Nordküste. Samsö war in Sichtweite, der Flug dauerte auch nur wenige Minuten, dann landeten wir auf “Samsö International” http://www.slv.dk/Dokumenter/dsweb/View/Collection-604. Die Abstellfläche befindet sich vor Terminal 2, die Abfertigung in Terminal 1. An Teminal 3 wird noch gearbeitet. Der Flugplatzbetreiber empfing uns persönlich. Wir bezahlten die Landegebühr und mieteten wieder 2 Fahrräder. Da der Nachmittag bereits fortgeschritten war, schlugen wir den angebotenen Kaffee aus und machten uns gleich auf den Weg, denn um 18:00 wollten wir den Rückflug nach Flensburg antreten.
Ausgestattet mit der “Gästezeitung 2012″, in der eine Landkarte abgedruckt war, machten wir uns auf den Weg in das empfohlene Nordby. Avgas gab es in EKSS nicht, aber auf dem Weg in Maerup sollte es Mogas geben. So schnallten wir den grünen Kanister vom Englandurlaub 2011aufs Fahrrad und los gings.
Der Radweg führte durch eine wunderschöne Hügellandschaft mit traumhaften Ausblicken auf Strand und Meer, vorbei an kleinen Höfen und festungsähnlichen weißen Kirchen. Nordby selbst ist eine wirklich hübsche kleine Stadt. Leider mussten wir gleich nach Eis und Kaffe schon wieder zurück zum Flugplatz.
Wir wurden freundlich verabschiedet und rollten den ins hohe Gras gemähten Taxiway zur 29. Das System der Taxiways mit 5 Abrollwegen hatten wir schon aus der Luft bewundert, es unterstrich den Anspruch von “Samsö International”.
Kurz vor Aufrollen auf die Bahn passierte es – mit einem kleinen Ruck wurde die Dimona an der linken Tragfläche abgebremst. Wir hielten sofort und inspizierten die Lage: Obwohl genau in der Mitte des Taxiways gerollt, waren wir einem Pfosten am Flugplatzrand so nahe gekommen, dass das rote Positionslicht abgetrennt wurde und nur noch an den beiden Leitungen baumelte. Sonst war Gott sei Dank nichts passiert. Wir konnten den Rest abtrennen und die Kabelenden mit Klebeband befestigen. Zu Fuß schoben wir die Dimona nun durchs Gras am Hindernis vorbei zur Startbahn. Dieser Taxiway wird nun für Fremde gesperrt – für die ortsansässige Cessna http://www.samair.dk ist er ja breit genug. Trotz dieses ärgerlichen Missgeschicks: Für mich war Samsö die schönste der angeflogenen Inseln.
Auf dem Heimweg bremste uns auffrischender Gegenwind, allerdings war die Sicht so gut, dass wir den verlängerten Flug sehr genießen konnten. Kopenhagen Information begleitete uns und schlug uns eine Abkürzung durch die Sonderborg TIZ vor – sehr freundlich. Wir erhaschten noch einen schönen Blick auf die Flensburger Förde und landeten gegen 19:30 auf unserem Basislager EDXF.

Mittwoch, 06.06.12

Der Tag begann wieder mit einem kräftigen Frühstück im Einkaufszentrum. Auch die Dimona ging nicht leer aus und bekam einen Kanister Super Plus. Vor dem Start bekamen wir noch die in Flensburg stationierte Beaver (D-FLEN) zu sehen: Wirklich ein beeindruckend großes Flugzeug!

Die Flugvorbereitung war diesmal einfacher als am Vortag: Es ging ohne Flugplan direkt auf 068° in einer knappen halben Stunde zur Insel. Wetter und Sichten waren gut, lediglich der Status der meist inaktiven Langeland TRA war unbekannt  – da konnte aber Bremen Information schon vor Einflug in den dänischen Luftraum für Klarheit sorgen.

Nach der halben geplanten Flugzeit kam die Insel in Sicht, wir umflogen das Städtchen Aerösköbing  im rechten Queranflug zur 15 http://www.slv.dk/Dokumenter/dsweb/View/Collection-615 und setzten auf der Graspiste von EKAE kurz auf. Nach 150m rollten wir zur Parkfläche ab und schoben die Domina platzsparend in eine Ecke. Die Flugleiterin kassiert die “internationale” Landegebühr – so weit geht der kleine Grenzverkehr also noch nicht – und vermietete uns 2 Fahrräder mit Gangschaltung. Ein paar Tipps und eine kleine Karte gab sie uns noch mit auf den Weg.

Über idyllische Feldwege erreichten wir einen neu angelegten Radweg, der direkt an der Nordküste entlang nach Aerösköbing  führt. Die hübsche Landschaft und weite Blicke auf Meer und vorge­lagerte Inselchen sorgten für prima Stimmung, während wir bei leichtem Rückenwind dahin radeln.

In Aerösköbing  selbst gefielen uns die gepflasterten Sträßchen mit den niedrigen und engen Häusern vom ersten Moment an. Wir kamen uns fast wie Riesen vor. An vielen der Häuschen wird renoviert, noch mehr sind zum Verkauf angeboten. Mitten drin fanden wir die Kirche (sehenswert) und den Markplatz, der zum Parkplatz umfunktioniert wurde. Am Hafen bekamen wir in einer Fischräucherei prima Makrelen – die hungrigen Möwen gingen allerdings leer aus.

An einer untypisch preiswerten Bäckerei vorbei fanden wir die kleine Automatentankstelle, an der wir unser ganzes Dänisch zusammenkratzen mussten, um den grünen Kanister zu füllen. Um die Ecke stand ein gut gepflegter Oldtimer aus den 30er(?)-Jahren.

So, wie wir gekommen waren, radelten wir anschließend zurück zum Flugplatz, betankten die Dimona und radelten dann weiter nach Marstal, der Hafenstadt der Insel. Die nette kleine Fußgängerzone war voller Leben, der Rest des Städtchens eher ruhig und beschaulich.  Nach einer Weile fanden wir auch ein Café, wo wir die Beute aus der  Aerösköbing  Bakeri ordnungsgemäß verspeisen konnten. Dann ging es zurück, jedoch nicht ohne den Kanister der Dimona an der zweiten Inseltankstelle noch einmal zu füllen.

Am Flugplatz war Betrieb: Eine dänische G109 machte sich gerade startbereit und vor dem Hangar stand eine King Air. Die Insel hat eine eigenen Fluglinie, die zweimal täglich nach Svendborg hopst und ansonsten nach Vereinbarung fliegt. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass der Grasplatz über eine vollständige Befeuerung verfügt.

Auch in Flensburg hatte die Dimona inzwischen Gesellschaft bekommen. Dort sollte am nächsten Tag eine AOPA-Veranstaltung stattfinden und die ersten Teilnehmer waren bereits eingetroffen.

Donnerstag, 07.06.12

Der erste Blick am Morgen galt dem Wetter – Grau in Grau, tiefe Basis und reichlich Südostwind. Beim Spaziergang zum Einkaufszentrum war auch etwas Nieselregen dabei, aber nach einem guten Frühstück sah die Welt schon besser aus. Es landeten noch 2 weitere Teams der AOPA-Truppe, die Dimona war nun am Abstellplatz von 7 anderen Flugzeugen umringt.
Trotzdem verschoben wir den Flugplan nach Femö um 2h auf 10:00UT und den nach Rerik auf 13:30UT.

Das gab uns Gelegenheit, am Eröffnungsbriefing der AOPA (https://aopa.de/ueber-uns/termine/aopa-seeflugtraining.html und https://aopa.de/entwicklung/upload/PDF/Training_und_Sicherheit/Seminare_und_Training/Seeflug_0411.pdf) teilzunehmen: Ingolf Panzer begrüßte die ca. 20 Piloten, dann folgten eine grundsätzliche Einweisung durch den einheimischen Heiko Harms und  ein ausführliches Wetterbriefing. Auch wir erhielten ein Exemplar der Seeflug-Unterlagen, wer sich dafür interessiert, kann sie gern bei mir einsehen.

Wir verabschiedeten uns von den AOPA-Piloten und dem freundlichen Flugleiter und schlossen unsere eigene Flugvorbereitung ab. In letzter Minute gab es wieder eine Planänderung:  Beim Anruf in Rerik erfuhren wir, dass die Bahn wegen Bauarbeiten geschlossen sei – NOTAM hatte davon aber nichts gemeldet. Also noch einmal umgeplant und einen Flugplan von Femö nach Lüneburg aufgegeben.

Trotz allem kamen wir pünktlich um 12:00 in die Luft. Wir flogen zunächst zum Streckenpunkt EKAE, den wir vom Vortag kannten. Es war natürlich klar, dass wir im Funk und später beim Überflug über Aerö etliche der “Seeflieger” wieder trafen.

Das Wetter erwies sich wie angekündigt: ordentliche Sichten in Bodennähe, aber einzelne tief hängende Wolkenfetzen bis 500ft. Die meiste Zeit konnten wir jedoch auf 2500ft gemütlich voran fliegen. Unseren nächsten Wegpunkt “Vejrö” sahen wir schon von weitem, ebenso neben der Landebahn die abgestellte PA-44 der “Seeflieger”. Wegen der exorbitanten Landegebühr von 50.-€ leisteten wir uns nur einen tiefen Überflug, um 10km weiter unser Ziel “Femö” (http://www.eddh.de/info/landeinfo-ergebnisb.php?ueicao=EK_2) anzusteuern, ein Inselchen mit 134 Einwohnern und einem Dorfkrug, dem Femö Kro. 129,8MHz rasten, die Position, Höhe und Absicht melden, den Inselkrug überfliegen, dann – wie gelernt – in den Gegenanflug, Queranflug und mit der passenden Fahrt so früh wie möglich aufsetzen. Die gepflegte Graspiste steigt zum Ort hin deutlich an, daher der Tipp, ausschließlich auf der 22 zu landen und auf der 04 zu starten. Die beiden angekündigten Bodenwellen überrollen wir im Schneckentemo – kein Problem.

Ein Dorfkrug mit einer eigenen Landebahn ist extrem praktisch: In strahlendem Sonnenschein setzten wir uns auf die Terrasse in Sichtweite der Domina. Eingelegter Hering und Hummersuppe – lecker! Noch ein kleiner Rundgang durch Nöreby, den größten Ort auf Femö.
Beim Checken hörten wir die C182 der Seeflieger anbrummen und beobachteten deren Landung. Nachdem wir die C182 gemeinsam geparkt hatten, legten wir kurz nach 14Uhr zum letzten Mal die Schwimmwesten an und dann erfolgte der erste Schanzenstart meines Lebens: Nach 100m Rollstrecke bergab schleuderte die erste Bodenwelle die Domina in die Luft. Der 80PS Rotax und der Südostwind sorgten gemeinsam dafür, dass die Piste nicht mehr berührt wurde. Wie das wohl für die beiden Cessna-Piloten vom Boden ausgesehen hat?

Rechtskurve in den Wind und Anfangssteigflug über dem Inselchen, noch vor Erreichen des Meers nahmen wir Kontakt mit Kopenhagen Information auf und öffneten unseren Flugplan – der Heimflug hatte begonnen.

Wegen der schlechten Vorhersage für Freitag und Samstag wollten wir am Donnerstag möglichst weit nach Süden vordringen. Über Seeland und später Fehmarn trübte es sich wieder ein – dasselbe Wetter, das wir 3 Stunden zuvor bei Aerö durchquert hatten. Östlich von Hamburg wurde es zusehends besser, die Landung in Lüneburg sollte kein Problem mehr darstellen.
Die Leute vom dortigen Fliegerclub waren echt rührig. Nach einer mittäglichen Vorstandssitzung war noch einer der Kameraden geblieben, um unsere Zwischenlandung abzuwickeln und die durstige Dimona mit Mogas zu tränken. Danke sehr!

Mit genügend Treibstoff im Tank, um ggf. noch am selben Tag Rheinstetten zu erreichen, aktualisierten wir unsere Flugplanung zur Wasserkuppe und starteten wenige Minuten später. Wettermäßig folgte der schönste Teil der gesamten Reise: In ca. 4500ft bei teilweise >100km Sicht konnten wir zeitweise unter Wolkenstraßen so viel Steigen erfliegen, dass wir trotz des Gegenwindes mit 80-85kn über Grund voran kamen. Auf der Frequenz von Bremen Information hörten wir allerdings, dass die Piloten im Westen und Norden wesentlich größere Probleme mit dem Wetter zu haben schienen. Gut, dass wir schon so weit Richtung Heimat unterwegs waren!

10min vor Erreichen der Wasserkuppe, kurz nach den riesigen Kalibergen an der Werra, schalteten wir auf die Frequenz der Wasserkuppe. Dort holten wir uns bei Schulleiter Harald eine kurze Wetterberatung: nach Karlsruhe weiterfliegen oder bleiben? Nach 2 Minuten kam seine Antwort: “Gewitterwarnung für Gebiet 51, ein Hallenplatz für die Dimona ist frei und Ihr könnt ein Fluglehrerzimmer bekommen”. “Roger, PS rechter Gegenanflug 24″.

Mit etlichen Helfern zirkelten wir die KDPS in die neue Halle, dann gab es das verdiente Feierabend-Bier (ein Zywiec) und ein paar Bratwürste. Später setzte der erwartete Regen ein und wir genehmigten uns noch einen kleinen Nachtisch in “Peterchens Mondfahrt”.

Freitag 08.06.12 es geht wieder Heim

Auf der Wasserkuppe herrschte “Knofe”, so nennen es die Rhöner, wenn die Kuppe in 900m Höhe in den Wolken steckt. Damit legten wir unseren Abflug auf 12:00 fest. Es blieb also noch Zeit für Frühstück, einen Rundgang über die Kuppe und Einkauf eines “Rhöner Bauernbrotes”.

Um 11:30 starteten wir die Dimona. Die ersten Schleppzüge waren schon raus gegangen und meldeten 800ft Basis. Das sollte uns reichen, weil wir in Talmitte wesentlich mehr Sicherheitshöhe erhalten konnten. Der Start erfolgte bergab bei Rückenwind, war aber auf der langen Asphaltbahn kein Problem (außerdem hatte ich es ja die Woche zuvor mit meinen Flugschülern ausreichend geübt). Am Beschränkungsgebiet Wildflecken und am Kreuzberg vorbei verließen wir die Rhön. Mit nur 65-70kn ging es in Richtung Walldürn voran zur letzten Zwischenlandung der Reise: Wir wollten Constanzes Eltern in deren Urlaubsdomizil treffen und am Flugplatz gemeinsam Kaffee trinken.

Um 14 Uhr starteten wir zur letzten Etappe, über Mosbach und Sinsheim ging es mit 70kn langsam aber stetig in Richtung Heimat. Die Akaflieger und die ULer organisierten den Flugbetrieb in Rheinstetten und schickten uns zur 20 – lange Landung.

In nur 5 Tagen, nach 2045 Streckenkilometern (netto) in 14 Flugstunden haben wir unglaublich viel erlebt. Oft mussten wir unsere Pläne ändern, unsere Ziele haben wir trotzdem erreicht. Vor allem die Nutzung von Flensburg als Basis für die Inselflüge erwies sich als sehr vorteilhaft. Die Dimona hat dabei nur knapp 13 l/h verbraucht – schneller und effektiver kann man die “dänische Südsee” nicht erkunden.

P.S.:
Auch mit der Katana oder der D-ELPD wäre die Tour machbar gewesen. Die D-EWKA wäre mit einem Handheld-GPS ebenfalls geeignet, nur die D-EELL ist für solche Inselflugplätze nicht gebaut. “Nachmachern” stehen wir gern mit Informationen zur Verfügung.