Flugplatz Kiel
Flugplatz Kiel
D-ELEG ind Magdeburg
D-ELEG ind Magdeburg

An die Küste mit der DELEG – oder :  wie hat sich eigentlich Charles Lindbergh gefühlt…

Zugegeben: Ich habe 2 Zwischenstops eingelegt. Und zugegeben: Ich bin nicht nonstop über Wasser geflogen – und hatte außerdem meinen Bruder mit dabei, mit dem ich mich unterhalten konnte  … aber aufgrund meiner begrenzten Erfahrungen mit längeren Flügen hatte das Ganze für mich schon Pioniercharakter – und war somit echt spannend, wenngleich aufgrund der intensiven Vorbereitungen auch ohne große Überraschungen.

Weit vor dem 19. Juni 2014

Strecken und Alternativstrecken wurden geplant – Flugplätze und Ausweichmöglichkeiten intensiv studiert – ICAO Karten auf D Komplettsatz aufgestockt – das Equipment kritisch beäugelt. Eine wichtige Geschichte war natürlich die Beschäftigung mit der Wetterentwicklung – und hier hat mir (ohne jetzt dafür gezielt Werbung machen zu wollen ) ein Probeabo bei TopMeteo enorm geholfen, die strategische Routenplanung durchzuführen. Bereits mehrere Tage vorher zeichnete sich in der Wetterdarstellung bei TopMeteo ab, dass Nordhessen sich am Reisetag im Zuge der durchziehenden Front eines Tiefdruckgebiets unter fast aufliegender Bewölkung befinden würde – während die Wetterlage südlich der Linie Frankfurt, Erfurt und Magdeburg sowie im Durchgang zwischen Thüringer Wald  und Harz gute VFR-Bedingungen bieten sollte. Und exakt so kam es dann auch, daher hatte ich beide Strecken vorbereitet. Am Vormittag des Abflugtages war dann das DWD Gafor-Wetter in Nordhessen / Göttingen / Harz für die Überflugzeit teilweise marginal und die Alternativstrecke open – nördlich Magdeburg dann D1  …. schaun mer mal, dachte ich mir  -  also auf nach Magdeburg. Das ist momentan der beste Weg, auch wenn wir dadurch mindestens  eine halbe Stunde länger unterwegs sind.

19.Juni 2014

Die DELEG aufgetankt – mein Mini-Gepäck verstaut – gründlicher Check und los geht’s nach Aschaffenburg: meinen Bruder einsammeln. Bei bestem Wetter über den Odenwald – Aschaffenburg Info sagt mir frischen Wind und Böen an - und dann die erste Landung  des Tages --  Pustekuchen, bin seit Monaten nicht mehr alleine geflogen – immer zu zweit unterwegs – die Maschine will mit 80 kg weniger Gewicht einfach nicht runter – also Neuanlauf mit besserer Einteilung – mein Bruder wunderte sich bereits am Boden über den Flugschüler, der da noch mal durchstartet – wo es doch eigentlich wie sein Bruder in der DELEG aussieht … :)
Zweiter Anflug dann mustergültig, Bruder wird eingepackt und verstaut – Einweisung durchgeführt – Aufgaben werden an ihn verteilt :  IPAD halten, nicht draufdatschen und Augen immer nach draußen, den Himmel abscannen -  während der Ab- und Anflüge Klappe halten  …  hat super geklappt. Navigation erfolgte grundsätzlich per Koppelnavigation, Überprüfungen übers bordeigene GPS, VOR Peilungen und das IPAD mit seinem externen GPS-Receiver und seiner Moving DFS ICAO Map und den georef. DFS Approach Plates – alles immer mal wieder miteinander verglichen [D1]– nie ein Problem mit Orientierung - die allermeiste Zeit aber mit den Augen draußen am Himmel. So haben wir unseren Stiefel nach Magdeburg geflogen – plangemäß bei bestem VFR Wetter zwischen Harz und Thüringer Wald durch – in Magdeburg-City dann vom sehr freundlichen Türmer mit bereits 17 Knoten aus 300 , Böen bis 25 Knoten für die 27 begrüßt.

Sehr schöner Platz – Mogas, Diesel, Avgas, Jet-A1  alles da  -  gemütliches Cafe in 5 min Laufweite. Das Gefährlichste an diesem Flug waren für uns wohl die Teilnehmer eines Auto-Sicherheitstrainings direkt vor dem Cafe – die sahen in ihrer „Fluglage“ teilweise beängstigend aus – wir haben schon fast damit gerechnet, dass ein Bolide gleich durch die Frontscheibe käme und neben uns Platz nähme. Während des Cafe-Schlürfens immer ein Auge nach draußen an den Himmel – leichte Verdunkelung setzt ein – Sicht aber immer noch bis zum Horizont. Das Wetter wird nochmal befragt – D1 und am Ende unseres Trips Open ist vorhergesagt – keine Gewitterneigung, der Blick auf den übrigen Teil der Wetterprognosen und aktuellen METARs von Kassel und Hannover zeigen mir das die Entscheidung über Magdeburg zu gehen richtig war. Wir gehen wieder raus auf der 27 – der Plan : Umkehr und Übernachtung in Magdeburg falls es wettermäßig doch nicht klappt, also los in die norddeutsche Tiefebene  …  die Augen, die ICAO Karte und der Elevationgraph von AirnavPro auf dem IPAD zeigen keinerlei topogr. Erhebungen - geschweige denn Berge an  - draußen nur noch Ackerflächen bis zum Horizont, ab und an mal ein Windrad als potentielles Hindernis. Wir müssen den Kurs ein paar mal leicht korrigieren, um nicht direkt durch Schauer mit reduzierter Sicht zu fliegen – bewegen uns meist in 2000 ... 2500 Fuß – die Sichtweiten immer sehr gut – hier und da scheint die Sonne. Dann macht es „peng“ und wir sind östlich von Lübeck ( die Zeit vergeht da oben mindestens viermal so schnell wie im Büro ) – können dort querab direkt den großzügigen Alternate-Platz von Lübeck sehen und drehen bereits Kiel-Info rein. In Kiel dann Anflug auf die 26 – direkt über die Kieler Förde – wunderschön - Wind 20 aus 290 in Böen bis 30. An diese Windwerte muss ich mich noch gewöhnen – in den letzten Sekunden vor der Schwelle werden wir von Petrus Gehilfen wie Spielzeug durchgeschüttelt und hin- und hergeblasen – ganz am Ende besinnen sich die Winde dann doch eines besseren und lassen uns mit großer Reserve sicher in Kiel landen  -  welcome.  Bei diesen Verhältnissen – oft mit starkem Seitenwind - sollte die Endanflug-Speed wohl überlegt sein - nötige Speedreserven aus halbem Headwind und Gusts berechnen und addieren – Endanflug rechzeitig stabilisieren. Ich bin hier oben oft mit knapp  80 Knoten IAS angeflogen, meist nur mit erster Klappenstufe oder ganz ohne Klappen gelandet. Für uns Binnenländler ist das aber durchaus eine neue Erfahrung mit diesen Windwerten in den Anflug zu gehen – ist aber alles beherrschbar. Der Flieger wird am Boden verzurrt – die Seile haben wir dabei, in Kiel sind auf der Grasabstellfläche neben der Tanke im Boden bereits Verzurr-Ösen eingelassen.  Am GAT erwartet uns schon die Mutter – eine ganz herzliche Begrüßung lässt uns in Kiel dann wirklich ankommen. Kurzes „Say Hello“ beim Tower – dann geht’s Richtung Feierabend. Nach dem ersten Bier am Ende merke ich, wie mich dieser Tag doch angestrengt hat – die Anspannung und der Konzentrationslevel des Tages gehen über in ein wohliges warmes Gefühl – alt werde ich heute nicht mehr – Mist, ich muss ja noch das Bordbuch, das RESI und mein Flugbuch pflegen …

20.Juni 2014

Neuer Tag - neue Lust aufs Fliegen – vor dem Vergnügen steht die Arbeit: Flugplanung fertig stellen, Wetter und NOTAMs abrufen – Sachen richten und prüfen, Anflugblätter ausdrucken  -  es geht nach Peenemünde. Die Prognose verspricht Sonne, Wolken und Schauer – teilweise Clear und Open -  teilweise mal D1 – alles dabei – steife Winde aus West und Nordwest – und so kommt es dann auch, das reale Wetter hält sich exakt an die Prognosen. Völlig neue Erfahrungen beim Flug über Wasser sind zu sammeln  – die Optik / Sichtverhältnisse sind doch etwas anders  -  die Motorgeräusche werden kritischer beobachtet  -  Flug über die Lübecker Bucht, Gleitzahl 1:14 – langt es noch bis zur Küste …?  Ja langt  - hatten wir ja vorher ausgerechnet …  vorbei an Rostock, Rügen wird landeinwärts südlich passiert und dann der Sprung rüber nach Usedom. Mitten im Nirgendwo taucht dann auf einmal die 3 km lange Piste im Norden Usedoms auf. Sie gehört zu einem der seiner Zeit (den 40ern) größten Flugfelder Europas – und ist ursprünglich die Piste einer ehemaligen Luftwaffen-Versuchsanstalt des 3. Reichs. Vielleicht ist unser Vater hier schon Anfang der 40er Jahre gelandet und hat an derselben Stelle wie wir jetzt über den böigen Wind geschimpft - war Luftwaffenpilot, "Blind- und Nachtfluglehrer" im WK-II ( Blindflug : Heute würde man wohl eher IFR sagen - damals war dieses Thema noch ziemlich in den Anfängen ). Der Wind und die Böen scheinen wieder einen drauf zu setzen – aber alles klappt beim ersten Versuch. Wir leihen uns Fahrräder aus, und auf geht’s zum Peenemünder Museum. Wer sich für alte Industriebauten und die Anfänge der Raketentechnik aus den 40er Jahren interessiert, muss hier vorbeischauen – ist einmalig und sehenswert.

Voller neuer Eindrücke treten wir den Rückflug an - dauert bei diesem Gegenwind etwas länger. Im Anflugbereich Kiel dann etwas Verwirrung am Funk – ein Kollege meldet sich mit „ … 5 min. südlich von Kiel“ - derselbe Fliegerkollege meint ca.  30 Sekunden später:  „xy rechter Queranflug 26“  - aha, kommt also etwas überraschend jetzt aus Nord und war doch eher 60 Sek. als  5min vom Platz weg – den hatte ich im Kopf hinter mir im Süden gebucht. Es gibt in Kiel keine veröffentlichte Platzrunde – daher kann natürlich das Verständnis für das Ausmaß der Platzrundenabschnitte durchaus unterschiedlich sein – man muss zuhören und sich ggf. auch untereinander verständigen.  Es dauert eine Weile von der Stunde Null in der Schulung bis zu dem Zeitpunkt, ab dem im Kopf durch das Abhören des Funks ein Situationsbild entsteht und die Identifizierung möglicher Gefahrenstellen möglich wird – das Ganze lebt aber von der eindeutigen und klaren Positionsmeldung der Piloten – 100% Verlass ist darauf nicht. Bei mir kann das sicher auch alles noch deutlich besser werden, aber eine Grundausstattung ist da – habe mir angewöhnt mind. 10min vorher in die INFOs und TOWERs reinzuhören, um dieses Bild rechtzeitig im Kopf anzufertigen, und meine Meldungen möglichst präzise und vollständig abzusetzen.  Der Tag war wieder Klasse – eine Menge neue Eindrücke und Ausblicke aus unserem Logenplatz in der DELEG sind dazu gekommen – die großen Raubmöwen, die nach dem Abheben in Kiel immer auf Kollisionskurs erscheinen (die sind da im Abflugsektor der 26 scheinbar stationär und lachen über die Piloten )  tauchen dann nachts in meinem Traum wieder auf ... die setzen überhaupt keine Positionsmeldungen ab, Sauerei …

21.Juni 2014

Heute ist Familien-Flugtag – erst meine Mutter über die Kieler-Förde und Eckernförder Bucht kutschieren – dann ist Daniel dran, der Sohn meines Bruders. Exakt um 12 Uhr geht das Wetter wie prognostiziert auf – die Sonne lacht, freundliche Cumulus Wolken kommen aus Nordwest – Wolkenbasis bei 3000, weiter steigend  – sehr frischer Wind -  weit im Süden dunkle Schauerwolken – aber da wollen wir ja gar nicht hin. Beide Fluggäste sind begeisterte Mitflieger – freuen sich über die vielen kleinen weißen Haifischflossen auf der Förde - es ist ja gerade der Start in die „Kieler Woche“ erfolgt  -  alles, was schwimmt und nen Mast zum Segeln hat, ist unterwegs – sieht jedenfalls von oben super aus. Die Sicht ist sagenhaft – ein paar Inseln der dänischen Südsee blinzeln mir am Horizont zu -  neue Flugziele sind sichtbar … nächstes Mal … ich komme definitiv wieder. Daniel erzählt später beim abendlichen Grillen, dass er nach dem Flug ein sehr spezielles Hochgefühl gehabt hätte – was selbst jetzt nach Stunden noch etwas anhält  …  kenne ich auch :)  –  vielleicht ist hier einer neu infiziert worden?

22.Juni 2014

Leider ist die Zeit schon rum, Wetter für den Rückflug fast perfekt – wir gehen diesmal zurück über Hildesheim. Noch einmal kurven wir über die Förde nach Norden, um einen weiteren Blick auf den Seglerbetrieb auf dem Wasser zu genießen – dann geht es leicht östlich an Hamburg vorbei – ich erwische bei FIS eine Sprechpause und kläre mit Bremen kurz den Status der vorausliegenden ED-Rs und der Militär Kontrollzonen Celle und Fassberg, alles inaktiv wie erwartet – Danke für den Service, verlasse die Frequenz  – DELEG - Guten Flug dann noch. Der Funk bei der FIS ist an diesem wunderschönen Sonntag fast komplett dicht – ich bleibe einfach mal auf Monitor. In Hildesheim auf einer sehr bequemen Piste reingelandet – MoGas getankt und direkt im Tower einen leckeren Kaffee geschlürft  -  alles verläuft wie am Schnürchen. Der Wind bläst uns auf dem Weiterflug immer noch kräftig nach Frankfurt zurück – Groundspeed teilweise über 140 Knoten – unser Weg ab Hannover teilweise von Schauern links und rechts begleitet – ab Kassel dann völlig offen. Zwischen Kassel und Aschaffenburg dann ne Menge Verkehr unterwegs gesichtet – Segelflieger, Motorsegler etc.pp. – bei so schönem Wetter bist du nicht alleine. Meinen Bruder Martin in Aschaffenburg abgesetzt – ich mache mich auf zum letzten Leg nach EDSB – der Flieger fliegt fast wie von alleine nach Hause. Der Turm in EDSB lässt mich freundlicher Weise noch mit einer kurzen Landung vor einem größeren Jet rein – und das wars …

Fazit:

Dieser Ausflug wird mir dauerhaft in Erinnerung bleiben – eine große Bereicherung für mich und alle, die daran teilhaben konnten  -  Das werden wir definitiv irgendwann mit Part-2 neu auflegen. Ich betrachte die Möglichkeit des individuellen Fliegens in dieser Form immer noch als einzigartiges Privileg  - und schätze mich sehr glücklich, das machen zu können.  Das werde ich weiter fördern, pflegen, mein Wissen und meine Erfahrungen weiter ausbauen  -  neue Pläne für neue Ausflüge sind bereits in meinem Kopf – die Vorfreude auf neue Flüge ist schon wieder da.