Sonnenaufgangsfliegen an der Porta Westfalica

Constanze und ich hatten eine schöne Ferienwoche im Weserbergland verbracht und waren am Feiertag bei  meinem alten Verein in Porta Westfalica zu Gast. Am 04.10. wollten wir uns zeitig auf den Heimweg machen.
 Die Segelflieger hatten genau für diesen Tag Sonnenaufgangsfliegen organisiert. Gegen 7:00 sollte der erste Motorsegler rausgehen, ab Sonnenaufgang (7:21) die Segelflugzeuge an der Winde starten. Alle Platzvereine wollten den beweglichen Ferientag nutzen und sich um 6:00 an der Halle zum Ausräumen treffen. Klar, dass wir da mitmachen wollten!

Da einer meiner Ex-Flugschüler mit der PPL-A-Ausbildung begonnen hatte, sollte ich mit ihm in der Dimona „Dämmerungsflug“ schulen und Constanze hatte sich einen Platz in der Remo gesichert. Also noch am Abend die beiden Motorflugzeuge auftanken und vorne in die Halle rangieren – vor allem aber den Wecker stellen.
Hauptsächlich Jugendliche tummelten sich um 6:00 bei klarem Sternenhimmel und knapp über 0° an den Hallentoren. Routiniert wurden 4 Doppelsitzer und eine LS4 ausgeräumt, der Aufbau der Winde fiel aber deutlich aus dem Rahmen: Die Scheinwerfer aus dem ehemaligen  Feuerwehr-LKW waren ausgebaut. So musste der Seillepo hautnah eskortieren und die Arbeiten beleuchten. Das war auch der Zeitpunkt, an dem der Organisator bekennen musste, dass er keinen Flugleiter bestellt hatte.

Für die Segelflieger kein Problem, die durften mit Startleiter fliegen. Also Dimona und Remo in die Halle geschoben. Noch eine kleine Entschuldigung auf den Lippen und der Organisator schwang sich in seinen B-Falken, schaltete die Positionslichter ein, klinkte das Windenseil ein und startete ins erste Morgengrauen.
Die Jugendlichen meines früheren Vereins schauten bedröppelt: Alles war aufgebaut, ihr Fluglehrer hatte verschlafen. So kam ich doch noch in den Genuss des ersten Starts in den Sonnenaufgang: Erst am Seil sahen wir die helle Scheibe hinter den Hügeln des Wesergebirges hervorkriechen. Nur eine Platzrunde, aber mit dunklen Feldern, beleuchteten Autos und nur schemenhaft erkennbarem Landefeld - ein echtes Erlebnis. Constanze bekam einen Mitflug in der zweiten K21. So konnte sie fleißig Fotos machen.
Gegen 8:00 stolperte ich noch mit einem glücklichen Flugschüler in schwaches Steigen: Hinter der Porta hatte sich quer zu den Hügeln und zur Windrichtung eine Scherungswelle entwickelt. Minimalfahrt halten, immer in den Wind wenden, vorsichtig die Grenzen des Steigens ausloten – so konnten wir uns über 30min in ca. 400m halten. Was für ein unerwarteter Genuss!

Zwei Starts später konnten wir sogar recht flott auf 500m steigen. Weil sich der Wind etwas gedreht hatte und die Bäume auf dem Wiehengebirge die Unterseite ihrer Blätter zeigten, flogen wir zum Hang hinüber. In unserer Ankunftshöhe fanden wir null Steigen vor – also Klappen gezogen und in 300m getestet: Über eine langgezogene Acht an der Wittekindsburg stand der Integrator auf +0,5m/sec. Mehr wollten wir nicht ausprobieren, denn um 9:30 sollte es gemeinsames Frühstück für alle geben. Also Rücksturz zur Erde.
Unsere K21 mussten wir auf der Rückholstrecke stehen lassen, weil alle schon ins Warme geflüchtet waren. Warmer Kaffee, 3 verschiedene Sorten Rührei und – ich wusste gar nicht mehr wie wunderbar das schmeckt – Brötchen mit frischem Zwiebelmett. Hier hatten die Organisatoren die Scharte mit dem fehlenden Flugleiter voll ausgewetzt! So gestärkt konnten wir den Heimweg antreten.
In den 2 Stunden und 10 Minuten vor dem Frühstück hatten die Portaner Segelflieger 26 Windenstarts mit 4 Doppelsitzern, einer LS4 und dem B-Falken gemacht – wirklich ausgeschlafene Mädels und Jungs! Danke für das besondere Erlebnis und die schönen Eindrücke!