Cessna 172
Cessna 172

Mal ehrlich: Welcher Pilot hat nicht schon auf Reisen gewünscht, ein Flugzeug zur Verfügung zu haben und einen interessanten Ort oder eine schöne Landschaft auch von oben betrachten zu können?

 

Dieses Jahr verbrachten wir unseren Sommerurlaub auf Rügen. Am ersten Tag schon fuhren wir am Hinweisschild des Inselflugplatzes Güttin vorbei. Abends recherchierten wir im Internet auf http://www.flugplatz-ruegen.<wbr />de/ : Rege Rundflugtätigkeit, 2 der Cessnas werden auch im Charterbetrieb eingesetzt. Da könnte man doch… Gut, dass Flugbuch und Lizenzen im Wohnmobil immer mitreisen!

An nächsten Tag gab der freundliche Herr Kleinert umfassend Auskunft: Chartern ist kein Problem und mit 1 Tag Vorlauf fast immer möglich, weil ja ein Fluglehrer für den obligatorischen Checkflug organisiert werden muss.

Gegen Ende des Urlaubs war Wettervorhersage prima und wir vereinbarten unseren Termin für den nächsten Tag gleich morgens. Übernachtet wurde gleich auf den schönen Parkplätzen des gar nicht so kleinen Flugplätzchens EDCG.

Morgens begrüßte uns Herr Kleinert und bedauerte sehr, dass er sich um eine Stunde verplant hatte – "unsere" Cessna 172 schrubbte noch mit einem Flugschüler Platzrunden. Aber welchen echten Piloten bringt eine Stunde Verzögerung aus der Fassung? So hatten wir viel Zeit, die Formalitäten zu erledigen:  Prüfung meiner Unterlagen, einseitiger Chartervertrag und – das war überraschend für mich – die vorübergehende Herausnahme der Cessna aus dem kommerziellen Betrieb.

Hünengräber
Hünengräber

Gerhard, der Fluglehrer, verabschiedete seinen Flugschüler und zeigte mir die schon die ältere, aber tiptop gewartet 172er.  Dann Abarbeiten der Checkliste und Briefing der Besonderheiten: "… wir starten hier mit +10° Klappen zur Reifenschonung, Steigflug- und Anfluggeschwindigkeit 70kts. Achtung, der Fahrtmesser hat außen mph, innen Knoten, …" – schon konnte angelassen und aufgerollt werden, Gas rein und starten.

Gerhard erzählte übers Intercom, dass er vor 19 Jahren zu den Gründern des Flugplatzes gehörte. Vorher war er Agrarpilot in der DDR gewesen. Seine Flugerfahrung? "16.000h" – das hatte ich schon von anderen Berufspiloten gehört – aber etwas verschmitzt fügte er hinzu "und 113.000 Landungen". Da bin ich fast vom Kurs abgekommen. Er erklärte, dass er an einem Tag mit 125 vollen Abwurfladungen im Kalkeinsatz sogar einen Landesrekord gehalten hatte.

 

Linksplatzrunde in 900ft, Meldung im Queranflug, Mixture, Vorwärmung, Klappen, Trimmung, schön konstanter Anflug und eine meiner guten Landungen. Gerhards Kommentar: "Das reicht, setze mich dort bei Deiner Frau ab!" So waren mir die beiden weiteren Platzrunden erlassen.

Stralsund
Stralsund

Wir starteten gleich, stiegen auf > 2000ft wegen der Naturschutzgebiete und flogen über Stralsund nach Hiddensee unsere Urlaubsroute ab. Die Kamera war im Dauerbetrieb. Dort mussten wir "on top" gehen – trotzdem boten sich noch viele Wolkenlücken zum Staunen und Fotografieren. Weiter gings über Kap Arkona zum Königsstuhl wieder unter die Wolken. Auf dem Weg nach Saßnitz sahen wir den Rundflugheli, der sich schon auf der Frequenz gemeldet hatte. "Von oben ist Prora noch hässlicher als vom Boden aus. Und fotografieren lässt es sich auch nicht" eine kleine Beschwerde, ansonsten war Constanze ganz aus dem Häuschen wegen der guten Sicht. Die Seebäder Binz, Sellin mit Jagdschloss Granitz, Baabe, Göhren, Thiessow, dann die Halbinsel Kleinzicker – alle Sehenswürdigkeiten kamen nacheinander in Sicht. Noch eine kleine Rechtskurve, dann waren wir schon über Lauterbach und Puttbus, dem letzten Wegpunkt. Kurz vor Ablauf der Stunde meldeten wir uns im Queranflug zur 27 und waren pünktlich zurück.

Königsstuhl
Königsstuhl

In einer Flugstunde haben wir die Insel umrundet, die Stationen unseres Urlaubsaufenthalts noch einmal Revue passieren lassen und uns so richtig bewusst werden lassen, wie groß und gegliedert die Insel ist und welch schöne Landschaft sie trägt. Toll, dass wir diese Möglichkeit hatten.

Am Rundflugschalter erwartete uns Herr Kleinert: "Die Größe der Insel ist unser Kapital. Fluggäste, die alles sehen wollen, müssen mindestens 1h fliegen und davon profitieren wir". Er nahm die geliehenen Kopfhörer und ICAO-Karte entgegen und hatte die Rechnung schon fertig: 5min Platzrunde und 58min Charter ergeben 202 Euro, die wir gleich per Karte bezahlen konnten. Auf der sonnigen Kaffeeterasse gabs mit Blick auf den Flugbetrieb noch einen Cappuccino.

Welch besonderes Erlebnis – toll, dass wir die Charter-Möglichkeit nutzen konnten! Mein Tipp für Rügen: Lizenzen, Flugbuch und Kopfhörer mit ins Reisegepäck nehmen!