Um es vorwegzunehmen: Es gibt eine umsichtige Flugsicherung. Es gibt ein Europa das zusammenwächst. Es gibt auch Dinge die dürften eigentlich nicht passieren, aber gehen gut aus.
Und jetzt der Reihe nach:
Am 3.9. einem schönen Freitagabend landet ein Ultraleicht auf dem Segelfuggelände “Rheinstetten”. Der Flugbetrieb war schon zu Ende, so dass keine Funk mit dieser Maschine möglich war. Korrekter Anflug, als ob der Pilot jeden Tag an diesem Flugplatz übt.
Was war besonderes? Die Maschine kam direkt aus Belgien. Heimatland ist Ungarn. Und unser Platz ist nicht für Fremde zugelassen. Da die Anwesenden Flieger sich nicht so recht, außer mit dem Fliegerenglisch mit den Piloten unterhalten konnten, wurde Kalman, unser Mann für alle Fälle und natürlich Ungar angerufen und schon war er da.
Kalman klärt sofort. Flugplan ist abgeschlossen. Aber wie kann man einen Flugplan aufgeben und schließen zu einem Platz, der gar nicht mehr in den ICAO-Karten existiert?. Naja, auf alten Karten ist er halt noch drauf. Und das mit dem Flugplan abmelden, das ist wohl auch nicht ganz komplett durchgezogen gewesen. Auf einmal stand die Polizei am Platz. “Ist hier ein Flugzeug gelandet?” – “Ja, warum?” – “die Flugsicherung hat uns aufgetragen den Landeort des ULs festzustellen”.
Es war also der Flugsicherung aufgefallen, dass der Platz gar nicht mehr existierte und dass auch keinerlei Kontakte mehr bestanden. Herr Jung von der Flugsicherung hatte aber sehr viel Geduld und Verständnis für die Situation und blieb cool. Inzwischen sind die Kontakte zur Flugsicherung und die Gegebenheiten des Platzes wieder bekannt. Für Notfälle ist es schon gut, in einem offiziell fliegerischen Niemandsland eine Adresse für Informationen zu haben.
Am nächsten Morgen wurde zur Völkerverständigung ausnahmsweise eine Starterlaubnis erteilt und die beiden Ungarn setzten ihren Weg fort.
Dieser Flug sollte eigentlich ganz anders auffallen. Die Piloten hatten das Ziel alle Länder Europas, anlässlich der Aufnahme der Neuen Länder im Osten, zu besuchen. Eine Good-Will-Tour für Europa. Wir sind überzeugt, dass durch diesen Zwischenfall, vielleicht gerade weil nicht alles so perfekt geklappt hat, Europa sich in der Problembewältigung ein großes Stück näher gekommen ist.