Billigflug nach Mallorca?

"Wenn schon auf eine Insel, könnten wir dann nach Mallorca fliegen?" Meine Lieblingscopilotin hatte letztes Jahr eine ganz konkrete Vorstellung von unserem Flugziel 2014. Mit einem Flugplanungsprogramm und Informationen aus dem Internet gab es die erste Vorplanung: Auf vorteilhaften Routen ergaben sich 15 Flugstunden und je 2 Zwischenlandungen mit der Dimona oder 10h und je eine Zwischenlandung mit der DA40, also machbar! Weil fliegende Freunde von uns mitkommen wollten, entschieden wir uns für den schnellen Viersitzer. Dass unsere Freunde später absagen mussten, steht auf einem anderen Blatt.

Erster Tag – EDSB nach Perpignan

Mittwoch früh stand die Planung immer noch. 9 Uhr wollten wir laut Flugplan starten, weil die Wolken am Rhein noch tief hingen, meldeten wir unsere Abflugbereitschaft erst 30min später. Wir steuerten sofort nach Westen, um Straßburg zu umfliegen. Die Controller waren sehr hilfsbereit, als wir auf der Suche nach einer größeren Wolkenlücke doch in den Straßburger Luftraum einfliegen mussten. Sie gaben uns sofort die erbetene Freigabe auf 3000m (zunächst FL75, später FL95) und wir konnten im strahlend blauen Himmel unseren geplanten Weg von Funkfeuer zu Funkfeuer fortsetzen.

Bei der Flugvorbereitung hatten wir auf der französischen OLIVIA-Seite schon erfahren, dass die militärischen Beschränkungsgebiete auf unserer Strecke nicht aktiv sein sollten. Trotzdem hörten wir gerne Bâle FIS gerne sagen: "Riesling Radar is not active, you can pass with your present routing and altitude and you can stay on my frequency".

So konnten wir hoch bleiben und bei phantastischer Sicht den Mont Blanc fast 60min lang auf der linken Seite an uns vorbei ziehen lassen. Mit vorhergesagtem  Rückenwind eilten wir unseren nächsten Waypoints mit 150kts über dem Rhônetal entgegen. Was für eine grandiose Landschaft! Und immer, wenn wir einen Blick auf die voll besetzte Autobahn erhaschten, schätzten wir uns nur noch glücklicher.

Vor Lyon übernahm uns der nächste freundliche Controller auf der IFR-Frequenz. Er holte uns auf FL90 runter, damit wir in sein Schema passten, gab uns aber unseren geplanten Flugweg frei. Erst westlich von Avignon mussten wir für ein paar Minuten zu einem militärischen Controller wechseln, bis uns bei Montpellier die zivile Kontrolle wieder übernahm. Immer noch konnten wir auf FL90 bzw. 95 bleiben. Auf den letzten Minuten verzögerte der Fluglotse sogar unseren Abstieg auf die Landehöhe von Perpignan: Erst mussten 2 kleine graue, aber rasend schnelle Punkte an der Küstenlinie unter uns durchhuschen, bis wir auf 2500ft sinken durften.

"Ein Zug Flamingos unter uns!" Constanze hatte kurz vor der Landung die fliegenden Boten des Mittelmeers entdeckt und 5min später spürten wir am Boden es beim Öffnen der Flugzeugkanzel: Der Süden und der Sommer waren da.

Erster Tag – Perpignan

Nach dem Volltanken versuchten wir, möglichst viele organisatorische Dinge sofort zu erledigen, weil wir am nächsten Tag zeitig weiter wollten. Dann noch per Internet ein Hotel buchen (aus Erfahrung wissen wir: Nie im Voraus reservieren!). Weil gerade 2 Billigflieger gelandet waren, hatte sich eine mächtige Schlange am Taxistand gebildet. Während wir noch beratschlagten, fuhr der Bus auch weg. Und so entschlossen wir uns zu 4km Fußmarsch ins Hotel. Blöd gelaufen – aber gut für eine ausgiebige Siesta!

Mit dem modernen Großraumbus ging es abends in die Stadt – eine interessante Stimmung empfing uns. Perpignan allein wäre schon eine Reise wert, so mussten wir unseren einzigen Abend entsprechend genießen, den guten Wein natürlich nur in einer ganz kleinen Dosis.

Zweiter Tag – Über Pyrenäen und Mittelmeer nach Mallorca

Ein Taxi brachte uns in 5min zum Flugplatz, die Landegebühr war schnell beglichen und ein Crewcar brachte uns zur DA40. Gepäck einladen, checken, anlassen und Rollfreigabe einholen - "Sorry, no flightplan available!" - die Türmerin stoppte erst mal unseren Vorwärtsdrang. Ein Anruf bei AIS in Langen (Nummer immer im Handy gespeichert!) ergab keinen Aufschluss, aber der freundliche Mitarbeiter schickte den Flugplan nochmal an AIS Marseille und Perpignan Turm. 5min später war der Flugplan eingetroffen und wir konnten starten.

In Bodennähe war es dunstig und einzelne Wolkenfelder verdeckten die Pyrenäen. Wie aus der Wettervorhersage entnommen, stiegen wir rasch auf FL95, um in klarer Luft Sicht "von Pol zu Pol" zu bekommen. Montpellier übergab uns an Barcelona Approach – ein irres Stakkato an Funksprüchen erwartete uns. Die Controllerin hatte wohl dutzende Airliner nach Barcelona und Gerona zu führen. Erst 15min später konnte sie "verschnaufen", um uns den angekündigten Transpondercode zu geben, bevor sie uns an ihren Kollegen im benachbarten Bereich übergab.

Mittlerweile waren wir über dem Meer angekommen. Dann kam der befürchtete Funkspruch: "Descend to 3500ft" – raus aus der Rückenwindzone und näher an die blauen Fluten. Doch noch im Sinkflug dann die Freigabeänderung "I have no traffic in your vicinity, you can stay on 5500ft." Danke!

Aber nach ein paar Minuten zeigten sich wieder Stratus-Felder genau in unserer Flughöhe, nur 1000-2000ft höher wäre die Sicht wieder ideal gewesen - grrrr. Umfliegen? Dazu waren die Wolken zu ausgedehnt. Also runter auf 3000ft, später teilweise sogar 2000ft. Klar, dass dann auch noch das Funksignal vom Festland abriss. Doch das VOR zeigte stabil an, ebenso beide GPS-Geräte und pünktlich kam die Insel in Sicht. Wir konnten wieder auf 3500ft steigen und der Nordwestküste folgen. Recht spät bekamen wir Kontakt zu Palma Approach und dann kam der spannende Moment, wo wir über die Insel flogen: Dort ist der Luftraum über 1000ft Grund "Klasse A". Dort darf kein Sichtflug stattfinden - so eine strikte Luftraumklasse gibt es bei uns nicht.

10 Minuten spannender Flug entlang der Hügelkonturen in maximal 300m über Grund mit 3 Frequenzwechseln brachten uns in die Platzrunde von Son Bonet. Dort ist niemand am Funk, jeder Pilot gibt seine Positionsmeldungen und seine Absichten per "Blindsendung" selbständig an alle ab. Wir drehten einen kleinen Kreis über dem Meldepunkt um den Abstand zur vorausfliegenden Schulmaschine zu erhöhen. "D-EELL turning right base" …. noch wenige Augenblicke bis zum Aufsetzen.

Zweiter Tag – Bienvenido a Mallorca

Die Hochsaison war trotz der Hitze wohl vorbei – jede Menge freie Parkplätze. Wir banden die D-EELL fest, organisierten einen Tankwagen, der 30ltr. Kerosin einfüllte und als Bezahlung die Air-BP-Karte akzeptierte. Nach den Pass- und Zollformalitäten fragten wir uns zur Flugplatzkneipe durch: Volltreffer.

Kühl, freundliche Atmosphäre, 2 große Wasser, Kaffee, Sandwich und Burger – an das 3-gängige Tagesessen für 8€ trauten wir uns mengenmäßig nicht ran. Das flotte WLAN half uns bei der Buchung des Mietwagens und des Hotels - wieder kein Problem dank Nachsaison. Die Wirtin telefonierte uns noch ein Taxi zum Internationalen Flughafen herbei und verabschiedete uns wie alte Freunde.

Einen kleinen Corsa umgeschnallt  machten wir uns auf den Weg an die Südostküste nach Cala Figuera zu unserem Hotel. Die Besitzerin begrüßte uns freundlich und gab uns den Schlüssel zu einem netten Zimmer mit Balkon und Meerblick, obwohl wir eine kleinere Kategorie gebucht hatten. Endlich war es so weit: Kopfsprung in den klaren, warmen Pool….

In Cala Figuera selbst gibt es keinen Strand, dafür eine Felsenbucht mit malerischem Hafen, den wir gleich am ersten Nachmittag erkundeten. Und am Hafen liegen auch die tollen Restaurants, die wir an den nächsten Abenden alle ausprobierten. Wir hatten es wieder einmal perfekt getroffen. 

Dritter Tag – Inselrundfahrt

Am Freitag hatten wir uns eine große Inselrundfahrt vorgenommen: Zuerst nach Cala Millor, das den üblichen Vorurteilen entspricht, weiter zur Bucht von Alcudia, wo wir einen wunderschönen, naturnahen Sandstrand hinter Dünen fanden. Hier machte uns das Baden Spaß!

Nächster Stopp war Pollenca, ein Städtchen mit gastfreundlichem Marktplatz, beeindruckender Kathedrale und Kalvarienberg. Am Nachmittag besuchten wir Palma mit der weltberühmten großen Kathedrale, der Fußgängerzone und dem Hafen. Strammes Programm mit vielen interessanten Eindrücken. Erst spät waren wir zurück im Fischrestaurant am Hafen von Cala Figuera.

Vierter Tag – Die Umgebung

Samstags findet in Santanyi der große Markt statt, eine Empfehlung unserer Wirtin. Indiz für die Bedeutung des Markts war bereits Parkplatznot im Umfeld. Über hundert Stände und Büdchen säumten die engen Straßen, dazu noch die festen Läden und Lokale, die in das Ereignis integriert waren. Ein Fest für Augen, Ohren und Nasen ….

Danach Badetag – wir wanderten zu den preisgekrönten Stränden von Mondrago und Armarador, die in einem Naturschutzgebiet liegen. Die wunderschöne enge Bucht wurde auch von vielen Yachten angesteuert. Wasser, Sand und Umgebung waren einfach herrlich! Abends wieder am Hafen: Diesmal Paella, klar doch.

Fünfter Tag – Bergiges Mallorca

Am Sonntag ging es gleich nach dem Frühstück los: Vorbei an Palma fuhren wir Richtung Soller und Port Soller. Die schöne Lage der Orte hatten wir beim Flug entlang der Nordwestküste schon gesehen. Nur musste zuerst die Bergkette überwunden werden. Klar dass sich Constanze die kurvige Passstraße statt des neuen Basistunnels aussuchte….

Neben der enormen Kathedrale und dem Markplatz gibt es in Soller sogar 2 historische Eisenbahnen zu bewundern: Der Expresszug nach Palma und die Straßenbahn zum Hafen. Die kurzweilige Fahrt durch Zitronenhaine mit der Tram ließen wir uns nicht nehmen.

Voller Eindrücke fuhren wir am Nachmittag zurück, um an der malerischen Cala Santanyi noch der Hitze des Tages zu entkommen und am Hafen unsere letztes Abendessen zu genießen.

Sechster Tag – Heimflug

Noch vor dem Frühstück mussten wir los, um am internationalen Flughafen das treue Mietauto abzuliefern. Das Taxi brachte uns in Rekordzeit nach Son Bonet, daher konnten wir uns in der schon bekannten Kantine einen Tee gönnen und dank WLAN unsere Flugvor­be­reitung aktualisieren. Dort habe ich übrigens den ersten Gecko gesehen – faszinierend, auch wenn er von der Decke abstürzte und klatschend auf dem Marmorboden landete.

Als Lande- und Parkgebühr für 4 Tage zahlten wir ca. 80€ – dank Nachsaison. Eine Woche früher hätte allein das Parken 37,50€ pro Tag gekostet. Noch ein freundlicher Hinweis auf die Öffnung des Flugplans per Funk und wir konnten zur DA40 aufs Vorfeld. Losbinden, einräumen, checken, Schwimmwesten anlegen – 9:30Uhr waren wir abflugbereit.

Heimflug - Son Bonet nach Valence

Wir hatten uns für den Abflug über Land entschieden. Nach dem Start und 3 schnellen Frequenzwechseln pirschten wir bodennah auf das Pollenca-VOR zu – wir kannten ja mittlerweile das Gelände – um den Luftraum Alpha nicht zu verletzen. So bekamen wir auch den einen oder anderen nahen Blick auf eine gepflegte Finca im Hinterland. Nach 15min überflogen wir am VOR die Küstenlinie auf Nordkurs und durften erst auf 3500ft, dann relativ bald über FL65 auf FL95 (3000m) steigen. Nur wenige Meilen östlich waren andere Controller zuständig, wir hatten immer gute Funkverbindung und bekamen sofort alle erbetenen Freigaben. Warum hatten wir uns am Hinweg so gequält?

Nach einer knappen Stunde über dem Meer berührten wir am Begur-VOR kurz den östlichsten Teil des spanischen Festlandes, um mit einem leichten Knick nach rechts den Golf von Lyon zu überqueren. Noch einmal 45min über Wasser – allerdings war Spanien (Ampuriabrava) und Frankreich (Perpignan) immer  in Sichtweite. Die Flugsicht war fantastisch, von weitem konnten wir sehen, was an der Küste bei Montpellier auf uns wartete: Schon um 11Uhr hatten sich an der Küstenlinie eindrucksvolle TCUs (cumuli castellani) entwickelt.

Aus der Wettervorhersage wussten wir, dass wir in Montpellier in 2500-3000ft unter die Wolkendecke hätten sinken können, Löcher gab es genug, aber dort wurde die Sichtweite mit 7km angegeben. Da ließen wir uns lieber FL115 (3600m) freigeben und konnten in dieser Höhe zwischen den "Türmchen" durchfliegen, um 15min später wieder auf unsere bevorzugten FL95 zu sinken. Der Turbodiesel der DA40 sorgte auch in dieser Höhe für ordentliche Steigwerte.

Die Cevennen waren völlig wolkenfrei, der militärische Controller ließ uns aber nur auf FL75 sinken, um uns kurz danach über dem Rhônetal wieder zu entlassen. Bei Montelimar mussten wir die DA40 durch ein Wolkenloch nach unten schrauben, um die letzten 10min nach Valence zurückzulegen. Kurz nach 12:00 landeten wir und merkten überdeutlich die Folgen des ausgefallenen Frühstücks: Hunger!

Die freundlichen "Pompiers" schickten uns erst zu einem netten Landgasthof (Plat du Jour ohne Wein!) und halfen uns danach noch mit dem Tankautomaten, der zwar die BP-Karte akzeptierte, aber ansonsten zickig war.  Pünktlich um 14:00 konnten wieder starten.

Heimflug - Valence nach Karlsruhe-Baden

Der FIS-Controller akzeptierte kurz nach dem Start unser Routing und ließ uns auf FL65 steigen, um uns nur 5min später mit einer Entschuldigung an den Approach-Controller weiterzugeben. Der hatte wohl über Lyon zu viel Verkehr und leitete uns nach Osten bis Grenoble und dann weiter nach Norden. So kamen wir den Bergen näher als geplant und konnten ein paar tolle Ausblicke erhaschen.

Erst nachdem wir an die Schweizer Luftaufsicht weitergereicht wurden, konnten wir auf FL85 steigen und bei Besançon wieder unseren geplanten Flugweg aufnehmen. In nur 1 Meile Abstand passierten wir eine Wellenwolke, die sich in Luv eines Cumulus gebildet hatte – Motiv für den Wolkenatlas.

Aber da konnten wir schon die Vogesen sehen. Wegen einzelner Wolkenfelder begannen wir schon jetzt mit dem Sinkflug und überquerten die berühmte "Route des Crètes" in Sichtweite des Grand Ballon. Dass wir nur 3000ft über dem Flugplatz Colmar waren, war dem Controller eine Warnung vor intensivem Platzverkehr wert. Wir konnten ihn beruhigen, indem wir uns nach Lahr abmeldeten und die letzten km nach Hause nahezu unbewacht zurück legten.

Fazit

Unser Ausflug dauerte 6 Tage, davon 2,5 Flugtage mit 9h58 Flugzeit. Wir haben viel gesehen und erlebt. Fliegerisch war die Tour wegen ihrer Länge, der vielen frequentierten Lufträume und des Wetters anspruchsvoll – wir haben viel gelernt. Die intensive Vorbereitung und die unzähligen mit Skydemon durchgeplanten Varianten haben dazu beigetragen. Daher gab es auch keine Überraschungen bei den Kosten.

Wir beide waren zum ersten Mal in Mallorca. Viele Vorurteile durften wir begraben und mit der Wahl unseres Quartiers in Cala Figuera hatten wir ausgesprochenes Glück. Wir haben schöne Landschaften, freundliche Menschen, tolle Strände und leckeres Essen genießen dürfen. Gerne werden wir daher wieder nach Mallorca fliegen, wohl aber mit der kommerziellen Luftfahrt. Also mit einem echten "Billigflug nach Mallorca!"

Wolfgang Tausch